Die App „Flora Incognita“ ermöglicht es auch ohne botanische Kenntnisse Pflanzenarten zu bestimmen – Bürgerinnen und Bürger können damit ein Projekt des Landschaftspflegeverbands unterstützen
Landkreis Schweinfurt. In den vergangenen Wochen durften Naturliebhaber wieder das Frühlingserwachen beobachten: Warme Sonnenstrahlen fallen auf den Boden, schon schiebt sich frisches Grün durch das Laub des vergangenen Jahres. Mit dem Frühling beginnt in unserer Landschaft eine der schönsten Zeiten des Jahres. Pflanzen erwachen aus der Winterruhe, Wiesen und Wegränder ergrünen und die Natur zeigt ihre Farben.
Zwischen Gras und Moos erhebt eine kleine Blüte vorsichtig ihr Köpfchen. Es macht kurz „klick“, und schon hat die App Flora Incognita sie bestimmt: ein „Knöllchen-Steinbrech“ ist es, der den Mai ankündigt. Detlev Reusch vom Bund für Naturschutz Bayern ist im Auftrag des neuen Bürgerforschungsprojekts „Verborgene Schätze“ des Landschaftspflegeverbands (LPV) Landkreis Schweinfurt unterwegs. Als begeisterter Naturschützer und stellvertretender Vorsitzender des LPV möchte er die Pflanzenvielfalt im Landkreis Schweinfurt erforschen.
Auch Karl-Heinz Kolb von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt unterstützt das Projekt, für das Lotto Bayern dem bayerischen Naturschutzfonds Erlöse aus der Glücksspirale als Fördermittel zur Verfügung stellt. Kolb begeistert besonders die große Vielfalt an Lebensräumen im Landkreis: „Artenvielfalt entsteht durch Lebensraumvielfalt“, sagt er. Und die gibt es im Landkreis Schweinfurt: „Von den Hängen des Haßbergtraufs und des Steigerwalds über die Feuchtflächen der Unkenbachaue und die Sande des Maintals bis hin zu den Steppenrasen der Gipslandschaft im Süden finden sich sehr unterschiedliche Biotope“, erklärt er.
Viele Vorkommen in Schutzgebieten werden gepflegt und überwacht. Auch im Rahmen dieses Projektes sind professionelle Botaniker im Landkreis unterwegs. Immer wieder jedoch finden sich seltene Arten auch außerhalb der Schutzgebiete: auf Wiesen und an Wegrändern, in Gräben, Heckenstrukturen oder auf Streuobstwiesen. Und auf genau diese Vorkommen kommt es dem LPV an. „Die Gelder für Kartierungen durch erfahrene Artenkenner sind beschränkt, und so kontrollieren diese eher bereits bekannte Biotope und Vorkommen“, sagt Vera Bellenhaus, Geschäftsführerin des LPV Landkreis Schweinfurt. Von dem Projekt erhofft sie sich, eine größere Anzahl von Personen für Naturschutz zu begeistern und auch Daten von Standorten zu erhalten, an denen bisher niemand geschaut hat.
Ein zentrales Werkzeug des Projekts ist die App Flora Incognita. Sie ermöglicht es jedem – auch ohne botanische Kenntnisse – Pflanzenarten mithilfe von Fotos automatisch zu bestimmen. „Die Bestimmungsgenauigkeit ist sehr hoch“, sagt Bellenhaus. Damit die gesammelten Fotos mit Standort auch wirklich beim LPV landen, ist es wichtig, sich in dem Projekt „Verborgene Schätze Landkreis Schweinfurt“ anzumelden. Wie das funktioniert, ist auf der Internetseite des LPV (www.lpv-sw.de) unter „Projekte“ erklärt.
Wichtig ist, die Pflanzen tatsächlich nur zu beobachten und zu fotografieren. Sie sollten keinesfalls gepflückt werden. Ebenso bittet der LPV darum, Privatgrund und Betretungsverbote, besonders von Schutzgebieten, sowie das Wegegebot zu beachten.
Alle im Rahmen des Projekts gesammelten Daten werden dem Landschaftspflegeverband (LPV) zur Verfügung gestellt und anschließend ausgewertet. Die Ergebnisse können helfen, Veränderungen in der Vegetation frühzeitig zu erkennen und Naturschutzmaßnahmen gezielter zu planen.
Ergänzend zum Projekt ist außerdem ein Workshop zur KI-gestützten Artbestimmung geplant. Dort erfahren Interessierte, wie Flora incognita funktioniert und welche Apps und Projekte es noch gibt. Das Treffen ist für Sonntag, 3. Mai, um 14 Uhr am Flugplatz in Gochsheim geplant.
Der LPV freut sich über eine möglichst breite Unterstützung aus der Bevölkerung.
