Winfried Ernst, Rudolph Karg, Carolin Reuter-Hock, Holger Strunk und Wiltrud Werner erhalten Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt
Landkreis Schweinfurt. Es ist die höchste Auszeichnung des Landkreises Schweinfurt: Die Ehrenurkunde. Sie gilt als eine Art Ehrenbürgerschaft und würdigt Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße um den Landkreis Schweinfurt verdient gemacht haben. Seit dieser Woche zählen sie zu den neuen Trägerinnen und Trägern: Winfried Ernst, Rudolph Karg, Carolin Reuter-Hock, Holger Strunk und Wiltrud Werner.
Die Auszeichnung auf Lebenszeit hat Landrat Florian Töpper im Rahmen des Kreisehrenabends im Antonia-Werr-Zentrum im Kloster St. Ludwig in Wipfeld verliehen. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Blaskapelle der Lebenshilfe-Werkstatt Augsfeld unter der Leitung von Konrad Schneider. Auch dieses Mal war wieder eine Dolmetscherin für Gebärdensprache mit anwesend.
„Sie alle tragen in außerordentlichem Maße dazu bei, dass der Landkreis Schweinfurt nicht nur stärker geworden ist, sondern auch stark bleibt. Denn: Für Sie ist gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Floskel. Sie bringen sich in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich ein und bereichern damit das Leben vieler Menschen. Dafür danke ich Ihnen von Herzen,“ sagte Landrat Töpper in seiner Begrüßung. Er freue sich sehr, dass sich der Kreisehrenabend neben der Würdigung vielfältiger Lebensläufe auch zu einer wichtigen Plattform der Kommunikation etabliert habe.
Er bedankte sich zudem bei Anja Sauerer (Leitung Antonia-Werr-Zentrum) für die Gastfreundschaft und bei Dirigent Konrad Schneider für die gelungene musikalische Umrahmung des Abends.
Das sind die fünf neuen Inhaberinnen und Inhaber der Ehrenurkunde:
Winfried Ernst
Winfried Ernst aus Rügshofen (Gerolzhofen) erhielt die Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt für sein langjähriges und vielfältiges ehrenamtliches Engagement – nicht nur in seinem Heimatort.
Schon seit über 60 Jahren ist Winfried Ernst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rügshofen. Zahlreiche Leistungsabzeichen, von Bronze bis Gold/Blau, legten er erfolgreich ab. Als Vorsitzender des Feuerwehrvereins hat Ernst eine Vielzahl an Vereinsaktivitäten federführend organisiert. Durch seinen Einsatz wurde auch das erste Fahrzeug für die örtliche Wehr beschafft.
Seit gut 35 Jahren begleitet Ernst zudem eines der ältesten kommunalen Ehrenämter Bayerns: Das des Feldgeschworenen. Auf Lebenszeit gewählt, wirken Feldgeschworene bei der Einhaltung von Grundbesitz-Grenzen mit.
Der Sportverein Rügshofen spielt für Winfried Ernst eine ebenso große Rolle. Hier war und ist er in verschiedenen Ämtern ehrenamtlich tätig. 43 Jahre, von 1979 bis 2022, war er unter anderem dessen Schriftführer. Seit den frühen 2000er-Jahren ist er zudem Vereins-Ehrenamtsbeauftragter. Hierbei kümmert er sich beispielsweise um die Anerkennung und Unterstützung der ehrenamtlich Aktiven des Vereins und trägt damit ganz entscheidend zum Zusammenhalt der Vereinsgemeinschaft bei.
Ernst gilt daneben als einer der Bio-Winzer-Pioniere in Franken. Seit über 200 Jahren besteht der familiengeführte landwirtschaftliche Betrieb. Ob als Gästeführer, Dozent oder als Mitinitiator des Brunnenschoppens in Gerolzhofen, der Frankenwein und seine Tradition liegen ihm am Herzen, so bringt er sich in unterschiedlichen Ämtern und Funktionen ein, gibt wertvolles Fachwissen weiter und ist wichtiger Impulsgeber für die Weinregion Franken.
Bereits im Herbst 2023 würdigte die Stadt Gerolzhofen sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit der Verleihung der Bürgermedaille in Gold.
Rudolph Karg
Für sein jahrzehntelanges humanitäres Engagement, vor allem als Vorsitzender des Vereins „Werke statt Worte“, wurde Rudolph Karg aus Löffelsterz (Schonungen) von Landrat Florian Töpper mit der Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt ausgezeichnet.
Menschen in Not zu helfen – das ist der persönliche Antrieb von Rudolph Karg. Alles begann 1994 mit einer Pilgerreise nach Medjugorje, in der Nähe von Mostar, in Bosnien: Die Erlebnisse in der vom Krieg gezeichneten Region, die Zerstörungen und das Leid der Menschen war die Geburtsstunde der privaten Hilfsorganisation „Fenster für Mostar“, aus der sich 2002, der weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte und wirkende Verein „Werke statt Worte“ gründete.
Seit 1994 konnten 492 Sattelzüge mit Hilfsgütern auf die Reise in inzwischen zehn Länder geschickt werden. In Hoch-Zeiten unternahmen bis zu 30 voll mit Hilfsgütern beladene LKW jährlich die Reise nach Bosnien, Albanien, Rumänien, Kosovo, Ukraine, Russland, Slowenien, Polen oder auch Nigeria – was im ersten Moment eine schnelle Aufzählung von Zahlen ist, ist in der Realität ein immenser logistischer Aufwand, den Karg und sein Team seit Jahrzehnte ehrenamtlich leisten.
Dank der Spendenbereitschaft der hiesigen Menschen konnten bereits zahlreiche Bau-Projekte – vom Wiederaufbau von Gotteshäusern oder dem Neubau von Waisenhäusern, bis hin zum Brunnenbau in Nigeria – unterstützt werden.
Auch die Musik spielt eine große Rolle im Leben von Rudolph Karg. Sein Name ist fest verbunden mit dem ehemaligen Männer-Viergesang „Schlettach Gimpel“. Aber auch heute noch gestaltet Karg mit Gitarre und Gesang (Lobpreis-)Gottesdienste mit, so auch die im Seniorenheim Schonungen.
Karg ist zudem seit über 40 Jahren in der Kirchenverwaltung in Löffelsterz in verschiedenen Bereichen aktiv. Gerade bei Baumaßnahmen, zum Beispiel der Kirchenrenovierung, profitiert das Gremium durch die berufliche Erfahrung Kargs als Maurermeister und Projektleiter.
Carolin Reuter-Hock
Das vielfältige und jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement, vor allem in der Jugendarbeit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) – Ortsverband Schonungen, war ausschlaggebend dafür, dass Carolin Reuter-Hock die Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt erhält.
1975 war Reuter-Hock eines der Gründungsmitglieder des DLRG-Ortsverbands Schonungen. Seither, mithin seit über 50 Jahren, ist sie ununterbrochen in verschiedenen Funktionen für den Ortsverband aktiv.
Seit nun über fünf Jahrzehnten kümmert sie sich im Verband mit großem Engagement um die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Zwei beeindruckende Zahlen hierzu: Über 4.600 Kindern aus dem Landkreis Schweinfurt hat Reuter-Hock seither das Schwimmen beigebracht. Rund 140 Kinder und Jugendliche sind bei ihr wöchentlich in der Ausbildung für Schwimmen und Rettungsschwimmen.
Dieser große Einsatz zahlt sich aus: Der Ortsverband Schonungen zählt zu den Erfolgreichsten im Wettkampfschwimmen in Unterfranken. Aus ihrem Training stammen Welt- und Europameister, sowie bayerische und unzählige Bezirksmeister. Mit über 800 Medaillen in den letzten 40 Jahren zählt Carolin Reuter-Hock außerdem zu den erfolgreichsten Trainerinnen in der DLRG.
Ihre Stimme als Trainerin und Wettkampfleiterin wird hochgeschätzt: 1995 und 2000 hat Reuter-Hock hauptverantwortlich die Bayerischen Meisterschaften in Schonungen organisiert.
Das Engagement von Carolin Reuter-Hock geht weit über den sportlichen Bereich hinaus. Seit der Gründung des Ortsverbands ist sie in sämtlichen Orga-Teams vertreten und bereichert dadurch jede Aktion und Veranstaltung. Sichtbare Würdigung ihres Engagements war unter anderem die Verleihung des Verdienstabzeichens in Gold mit Brillant des DLRG-Bundesverbandes 2015– die höchste Auszeichnung.
Holger Strunk
Holger Strunk aus Eßleben (Werneck) erhielt aufgrund besonderer Verdienste um den Landkreis Schweinfurt in seiner Funktion als Kreisbrandrat in den Jahren 2013 bis 2025 die Ehrenurkunde.
Seit seinem 18. Lebensjahr ist Holger Strunk Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Zuvor Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Garstadt, wurde er 1986 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Eßleben. Dort war er von 1998 bis 2004 als Kommandant aktiv.
Danach folgte die Berufung zum Kreisbrandmeister der Kreisbrandinspektion. Gleichzeitig war er ab 2006 Zugführer des Gefahrgutzuges des Landkreises und bis 2013 federführend an dessen Umstrukturierung beteiligt. 2013 wurde Holger Strunk schließlich zum Kreisbrand des Landkreises gewählt. 2019 folgte mit großer Mehrheit die Wiederwahl.
Kreisbrandrat zu sein heißt 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr in Bereitschaft zu sein – und gleichzeitig für alle inzwischen 110 Wehren in den 29 Landkreis-Gemeinden gleichermaßen greifbar zu sein. Ob realer Einsatz oder Übung: Kleinere, aber auch größere Einsätze wurden durch Holger Strunk mit besonderer Fürsorge, Entschlossenheit und Professionalität geleitet. Durchaus vor allem in Erinnerung geblieben: Die Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg in Bergrheinfeld 2013, der Brand des Mehlsilos in Gerolzhofen 2014, und der Einsturz des Traggerüsts der neuen Schraudenbach-Talbrücke auf der A7 bei Werneck 2016.
In seiner Amtszeit hat er sich zudem für eine gute Ausstattung aller Wehren stark gemacht. Auch bei den Planungen zum Feuerwehrausbildungszentrum, das momentan in Niederwerrn zusammen mit dem Kreisbauhof entsteht, hat sich Strunk mit all seiner Kompetenz und jahrelangen Erfahrung eingebracht. Die Ausbildung der Jugend- und Kinderfeuerwehren war Strunk ebenso ein Herzensanliegen. So wurden in seiner Amtszeit als Kreisbrandrat die ersten Kinderfeuerwehren im Landkreis gegründet.
Als sichtbares Zeichen der Würdigung seines jahrzehntelangen Einsatzes im Feuerwehrwesen erhielt Strunk unter anderem 2015 das Steckkreuz des Feuerwehrehrenzeichens durch das Bayerische Innenministerium und 2025 wurde Strunk mit Verabschiedung aus seinem Amt zum Ehrenkreisbrandrat ernannt.
Wiltrud Werner
Für ihr jahrelanges Engagement, vor allem in ihrer Funktion als Mitarbeiterin und zwischenzeitlich Leiterin der Außenstelle Schweinfurt des Weißen Rings, erhielt Wiltrud Werner die Ehrenurkunde des Landkreises. Der 1976 gegründete „gemeinnützige Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V. Weißer Ring“ ist die größte Hilfsorganisation und Anlaufstelle für Betroffene, für deren Angehörige oder Hinterbliebene und Zeugen.
2010 trat Werner dem Weißen Ring als Mitglied bei. Anfänglich begleitete sie Kolleginnen und Kollegen bei der Opferbetreuung und besuchte das Grundseminar. Bestrebt darin, eine bestmögliche und kompetente Betreuung zu leisten, bildete sie sich in den folgenden Jahren kontinuierlich weiter. 2011 war sie bereits feste Mitarbeiterin der Außenstelle für Stadt und Landkreis. Ein Jahr später schloss sie ihre Ausbildung mit Erfolg ab. 2016 wurde Werner schließlich Leiterin der Außenstelle.
In dieser Funktion kümmerte sie sich weiterhin mit großem Engagement um Betroffene, insbesondere den schweren Fällen widmete sie sich mit großer Hingabe. Sei es die Besetzung des Notruf-Telefons, die Begleitung zu Terminen bei der Polizei oder die Unterstützung bei Behördengängen – ihr Wirken ist stets von einem hohen Maß an Empathie und Fürsorge geprägt. Ihr großartiger Einsatz lässt sich auch daran erkennen, dass sie noch nie einen Fall abgeben hat.
Durchschnittlich drei bis vier Stunden täglich – auch an Wochenenden – brachte sie während ihrer Zeit als Außenstellenleitung für die umfangreichen Aufgaben des Weißen Rings auf. Dabei hatte sie auch stets ein offenes Ohr für ihre Kolleginnen und Kollegen.
Über acht Jahre leitete Werner die Außenstelle. Im Mai 2024 gab sie aus Altersgründen die Leitung ab. Insgesamt 221 Fälle wurden in dieser Zeit von ihr und ihrem Team betreut.
Wiltrud Werner ist und bleibt auch weiterhin ein sehr wichtiger Teil der Außenstelle Schweinfurt und ist mit viel Hingabe für Betroffene erreichbar – rund um Uhr.
Über das Engagement im Weißen Ring hinaus ist sie seit Jahren im Evangelischen Frauenbund Schweinfurt e. V. in der Vorstandschaft aktiv.
Weitere Infos zur Ehrenurkunde des Landkreises
Die Vorsitzenden der Fraktionen im Kreistag unterbreiten dem Landrat die Vorschläge für die Verleihung. Der Kreistag beschließt, wem die Ehrenurkunde verliehen wird.
Als besonderer Verdienst zählt auch eine mindestens 18-jährige Mitgliedschaft im Kreistag des Landkreises Schweinfurt sowie eine mindestens 18-jährige Tätigkeit als erste Bürgermeisterin beziehungsweise erster Bürgermeister einer kreisangehörigen Stadt, eines kreisangehörigen Marktes oder einer kreisangehörigen Gemeinde des Landkreises Schweinfurt.
Die Aushändigung erfolgt durch den Landrat im Rahmen des Kreisehrenabends. Die Verleihung findet jährlich statt. Nach Verleihung der Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt werden die Ausgezeichneten auf Lebenszeit zum Kreisehrenabend eingeladen. Aktuell gibt es 90 Trägerinnen und Träger.
