Bezirkstagspräsident Stefan Funk, der sich immer wieder mit herzlichen und wertschätzenden Botschaften an die türkische Gemeinschaft richtet, hat in einem Gespräch mit dem ALP-Media-Chefredakteur Dr. Latif Çelik die bedeutenden Beiträge der türkischstämmigen Bevölkerung für Deutschland und die Region hervorgehoben.
„Seit 65 Jahren leisten Menschen türkischer Herkunft einen wichtigen Beitrag für unser Land. Heute leben wir mit Angehörigen aus vier verschiedenen Generationen zusammen. In unseren Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, sozialen Diensten, Verwaltungen, Museen und zahlreichen weiteren Arbeitsbereichen engagieren sich täglich Menschen mit unterschiedlichen familiären und internationalen Wurzeln. Unsere türkischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind längst ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Teil unseres gesellschaftlichen Alltags. Sie engagieren sich in politischen Parteien, gestalten das gesellschaftliche Leben aktiv mit und übernehmen Verantwortung“, erklärte Funk.
Darüber hinaus unterstrich der Bezirkstagspräsident, wie wichtig es sei, dass junge Menschen türkischer Herkunft in allen gesellschaftlichen Bereichen stärker vertreten seien – von Bildung und Beruf über den öffentlichen Dienst bis hin zum sozialen und ehrenamtlichen Engagement.
Im folgenden Interview präsentieren wir unseren Leserinnen und Lesern die Fragen von Dr. Latif Çelik an Bezirkstagspräsident Stefan Funk und seine Antworten.
Dr. Latif Çelik:
Herr Funk, der Bezirk Unterfranken genießt in der migrantischen Community eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung. Können Sie zunächst etwas zur Bevölkerungsstruktur in Unterfranken sagen?
Stefan Funk:
Unterfranken ist eine vielfältige Region. Rund 1,3 Millionen Menschen leben hier – und viele von ihnen haben familiäre Wurzeln in anderen Ländern. Menschen mit Einwanderungsgeschichte gehören längst selbstverständlich zu unserer Gesellschaft.
Diese Vielfalt spiegelt sich auch beim Bezirk Unterfranken wider. Wir sind nicht nur Dienstleister für die Menschen in der Region, sondern mit unseren Verwaltungen, Kliniken, Einrichtungen und weiteren Arbeitsbereichen auch ein großer und wichtiger Arbeitgeber.
Bei uns arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen persönlichen und familiären Hintergründen. Das ist für uns keine Besonderheit, sondern gelebter Alltag.
Dr. Latif Çelik:
Welche Leistungen und Angebote stellt Ihre Institution für Menschen mit Migrationshintergrund bereit? In welchen Bereichen erzielen Sie direkte Wirkung und gesellschaftliche Reichweite?
Stefan Funk:
Unser Grundsatz ist zunächst ganz einfach: Wer die notwendigen Voraussetzungen mitbringt und gute Arbeit leisten möchte, soll bei uns eine faire Chance bekommen. Dabei stellen wir quasi noch nicht mal „Leistungen und Angebote“ bereit, denn das würde Menschen mit Migrationshintergrund ja in eine Art „Bittsteller-Situation“ bringen. Das sind sie für uns aber nicht. Wir brauchen sie ja auch. Wir achten bei Einstellungen auf Qualifikation und Eignung – nicht auf den Namen oder die Herkunft eines Bewerbers. Gerade im öffentlichen Dienst gibt es transparente und nachvollziehbare Auswahlverfahren.
Darüber hinaus ist es uns wichtig, jungen Menschen den Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Ausbildung und Nachwuchsgewinnung sind für uns zentrale Themen. Wer bei uns seine Ausbildung beginnt, soll unabhängig von seiner familiären Herkunft gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen.
Und natürlich gehört dazu auch ein gutes Arbeitsumfeld. Wertschätzung, gegenseitiger Respekt und ein fairer Umgang sind für mich keine Zusatzangebote, sondern Grundvoraussetzungen guter Zusammenarbeit. Insofern ist unser Angebot: Kommt zu uns und arbeitet mit. Die Gesellschaftliche Reichweite ergibt sich dadurch automatisch. Die Sachbearbeiterin mit Migrationshintergrund, der einen Bürger kompetent berät, der Pfleger, der den Blutdruck misst.
Dr. Latif Çelik:
Wie wichtig sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund für den Bezirk Unterfranken?
Auf welche strategischen Handlungsfelder und Sektoren konzentrieren sich Ihre integrationspolitischen Felder?
Stefan Funk:
Wir brauchen gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und dabei spielt die Herkunft keine Rolle. Insofern – auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – ist die beste Strategie Menschen über Arbeit und auch Ehrenamt zu integrieren. Hier lernt man automatisch die Sprache – und automatisch Menschen aus der Region kennen.
Ob in unseren Krankenhäusern, in der Pflege, in unseren sozialen Einrichtungen, in der Verwaltung, in unseren Museen oder in anderen Bereichen: Menschen mit internationaler Familiengeschichte leisten jeden Tag einen wichtigen Beitrag.
Gerade angesichts des Fachkräftemangels können wir es uns gar nicht leisten, auf Menschen wegen ihrer Herkunft zu verzichten. Ich nenne Ihnen gerne ein ganz konkretes Beispiel. In unserem Bezirkskrankenhaus Schloss Werneck haben wir eine ganz hervorragende Kooperation mit Fachkräften aus Tunesien. Das läuft mittlerweile schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich.
Dr. Latif Çelik:
Das Vertrauen und die Sympathie seitens der migrantischen Community sind bemerkenswert. Welche Maßnahmen und konkreten Ergebnisse aus der Praxis tragen maßgeblich zu dieser positiven Wahrnehmung bei?
Stefan Funk:
Vertrauen entsteht nicht durch Imagekampagnen, sondern durch konkrete Erfahrungen.
Wenn jemand bei uns arbeitet und erlebt, dass er fair behandelt wird, wenn eine Auszubildende mit Einwanderungsgeschichte dieselben Chancen bekommt wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter beruflich Verantwortung übernehmen kann – dann ist das gelebte Integration. Ich glaube, genau diese Alltagserfahrungen tragen wesentlich dazu bei, wie eine Institution wahrgenommen wird.
Wir wollen niemanden aufgrund seiner Herkunft besonders behandeln. Wir wollen aber auch keine zusätzlichen Hürden entstehen lassen. Gleichbehandlung und gleiche Chancen sind für mich der beste Beitrag zu einer erfolgreichen Integrationspolitik. Ich glaube, dass der öffentliche Dienst grundsätzlich attraktive Rahmenbedingungen bietet: sichere Arbeitsplätze, verlässliche Strukturen, gute Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und eine hohe Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Wir wollen einfach fair sein – und bieten allen Menschen die gleiche Chance. Konkret heißt das zum Beispiel in unserem Thoraxzentrum Münnerstadt. Hier arbeiten derzeit rund 180 Vollzeitkräfte. Darunter 23 Menschen aus siebzehn Nationen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Das heißt Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund sind hier noch gar nicht enthalten.
Dr. Latif Çelik:
Welche Botschaft möchten Sie insbesondere an Ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger türkischer Herkunft richten?
Stefan Funk:
Ich möchte vor allem eines sagen: Sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und auch ein wichtiger Teil Unterfrankens. Viele türkischstämmige Familien leben seit Jahrzehnten hier. Sie haben Unternehmen gegründet, Arbeitsplätze geschaffen, Vereine geprägt, Kinder großgezogen und sich in ganz unterschiedlichen Bereichen eingebracht. Ihre Familiengeschichte ist Teil der Geschichte unserer Region geworden.
Und an die junge Generation möchte ich sagen: Nutzen Sie Ihre Chancen. Machen Sie eine Ausbildung, studieren Sie, gründen Sie ein Unternehmen, engagieren Sie sich und übernehmen Sie Verantwortung.
Auch der öffentliche Dienst steht Ihnen offen. Beim Bezirk Unterfranken zählt nicht, woher Ihre Familie kommt. Entscheidend ist, was Sie können, was Sie leisten wollen und ob Sie bereit sind, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen.
Unterfranken ist vielfältig – und genau das ist eine Stärke unserer Region.
